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Faustkeile in Kuba?

 

Vom 9.2.2005 - 30.3.2005 arbeitete eine deutsche archäologische Gruppe unter Professor Müller-Beck mit kubanischen KollegInnen im Rahmen des Projekts "Die älteste Besiedlung Kubas".(El poblamiento mas temprano de Cuba). Im Verlauf dieser erfolgreichen Arbeit stellte unser kubanische Mitarbeiter Raul Villavicencio Finale sein Buch auf Spanisch in Santa Clara der Öffentlichkeit vor mit dem Titel: "Hachas de mano en Cuba?", Verlag Capiro, ISBN 959-265-067-5.

 

 

 

Raul ist   Leiter der archäologischen Field-research Gruppe Sagua La Grande, die sich große Dienste erworben hat bei der Auffindung der über 100 Schlagplätze in paläolithischer Tradition.

 

 

Diese Freilandplätze erstrecken sich konzentriert auf einer 30 km langen Strecke entlang den geologischen Zügen von Spätjura und Frühkreide westlich und östlich von Sagua La Grande parallel zur Küste. Inmitten dieser sehr dichten Silexrasen von Abschlägen in paläolithischer Tradition sind bisher 19 Hachas de Mano gefunden worden, die sich von dem übrigen Material deutlich abheben.

 

 

 

Typisch für den Herstellungsprozess aller Hachas sind 1. Auswahl eines großen relativ flachen länglichen Plattensilex als materia prima, 2. Präparierung der Kanten zu einem zumeist langen Stiel und Retuschierung einer Seite des dicken Teils zu einer Arbeitskante. 3. Die Retuschen laufen unterschiedlich weit in die Rinde hinein. Zumeist bleibt ein größerer Teil der Rinde stehen, wie bei dem rechts gezeigten langen schweren großen Stück, die Nr.19 in der Tabelle unten .

 

 

 

Die Nutzung des Gerätes hat man sich als schweres Hackbeil mit Handgriff zu denken. Die Dynamik der Nutzung erschließt sich daraus, dass manchmal der Handgriff bei der Nutzung am Ansatz des breiteren Teils abgebrochen ist. Es liegt nahe, dass das sehr schwere Hackbeil zur Zerlegung großer Tiere Verwendung fand. Indirekt erschließt sich daraus das Mindestalter der Geräte. Mit Ausnahme vom Krokodil sind große Tiere wie das Faultier seit mindestens 6000 Jahre auf der Insel ausgestorben. Für ein relativ hohes Alter spricht auch die intensive Patina.

 

 

 

Die Kantenbearbeitung erfolgt in "Zick-zack-Technik". Dabei fallen typische Abschläge als Abfall an, die bisher aber nie bei den Geräten gefunden worden sind. Auch ergibt die bifaziale Technologie keine Verbindung mit der Klingen- und Abschlagstechnologien in paläolithischer Tradition der Umgebung, so dass die Hachas an anderen bisher unbekannten Stellen zugeschlagen wurden. Sie wirken wie Fremdkörper.

 

 

 

Der Tabelle ist zu entnehmen, dass die Höhe der Beile von 17 cm bis 32 cm variiert und Gewichte bis zu 4,5 kg auftreten, die die Wucht des Zuschlagens verstärken. NPAV - Vollständige Geräte.

 

  

 Diskussion:

 

Raul stellt die bifazialen Geräte, für die es in der Karibik nichts vergleichbares gibt, typologisch und funktional in die lange europäische Tradition von "hachas de mano" von den Acheuleen-Faustkeilen bis zu den neolithischen Steinäxten. Auch durch Hinweise auf Archäologen wie Manuel Rivero de la Calle, Hugo Obermaier, Alexander Mongait, Clive Gamble stellt er die These in seinem Buch auf, das Auftreten der Hachas in Kuba ließe sich mit der Alten Welt verbinden.. Zugleich konzediert er, dass weitere Forschungsergebnisse - vor allem auch absolute Datierungen - vorliegen müssen, um solche Fragestellungen zu lösen.

Ein Vergleich eines Faustkeils des Jüngeren Acheuleen (400 000 v.h. Sahara) mit einer Hacha de mano Cubana zeigt auf, dass funktional und typologisch Unterschiede existieren. Funktional ist der Faustkeil ein Schneidewerkzeug (falls es sich überhaupt um ein Werkzeug handelt und nicht um ein Kultgerät). Typologisch ist der Faustkeil weitaus sorgfältiger nach dem vorbestimmten Plan des Menschen bearbeitet. Er weist eine perfekte Symmetrie in der Längsachse auf, die angestrebte gestreckte Ovalform ist harmonisch erreicht worden, er weist eine aufwändig retuschierte Rundumkante auf. Die Hachas de mano Cubanas sind als "Hackbeile" demgegenüber weitaus "großzügiger" auf Zweckmäßigkeit ohne größeren Zeitaufwand zugerichtet. Auf die Einhaltung einer strengen tradierten Norm wie beim Faustkeil wird kein Wert gelegt. Es zeigt sich ähnliches -  was auch unsere Erfahrungen bei der Expedition nach Kuba mit den Klingen- und Abschlagsindustrien dort waren - dass im Rahmen einer Kulturprägung in paläolithischer Tradition die amerikanischen Schlagtechniken "freizügiger", variabler - letztlich auch effizienter weil zeitsparender sind, als dies im Paläolithikum des Europaisch-asiatischen Bereichs feststellbar ist.

 

stumpfe Seite des Faustkeils

glänzende Seite

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