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 Freilandstationen in paläolithischer Tradition Mittelkuba Sagua La Grande, Provinz Santa   Clara 2003

Seit 1998 und verstärkt seit Februar 2003 hat die archäologische Gruppe CITMA Villa Clara mit Sitz in der kleinen Stadt Sagua La Grande, rund 50 Kilometer nördlich der Provinzhauptstad Santa Clara, um ihre Heimatstadt über hundert  Freilandstationen in paläolithischer Tradition gefunden. An der Auto-Karte rechts kann  grob die 3-Gliederung der geologischen Landschaft verfolgt werden: Südlich der Linie Quemado de Guines - Sagua - Emilio Cordoba verläuft ein kleiner Ausschnitt des karstigen Kalkfelsen-Bandes entlang der Nordküste von Kuba. Diese geht nördlich der Linie bis zur Küste in eine flache Marschlandschaft über, die der Marsch in Niedersachsen durchaus ähnlich ist, weiter nördlich das Küstengebiet, Archipielago de Sabana-Camaguey. Die heutigen unzähligen Mangroven-Inseln (Cayos) waren während der Eiszeit Festland. Hier bestand während ein Teil der Ozeane in  Eis gebunden war zwischen den zu einer Insel verschmolzenen Bahamas und Kuba die kürzeste "Furt" von Nordamerika (Florida). Hier werden auch große Ölfelder erwartet.

Die  Freilandstationen der ersten pleistozänen Einwanderungswelle konzentrieren sich  auf den Karst-Böden (zur geologischen Einschätzung siehe "Geologie" auf dieser Homepage ). Es ist den Oberflächenfunden keine Verbindung zum Meer oder zu späteren Migrationen zu entnehmen. In der holozänen Marsch hat die Archäologiegruppe mesolithische Stationen an der Mündung des Flusses Sagua La Grande beim heute verschlafenen Hafen Isabela de Sagua gefunden. Diese mesolithische Gruppen gehören vielleicht zu dem 2. Einwanderungskomplex, der aus dem Mississippi-Delta (Archaikum) ab 5000 vor heute eingewandert sein könnten ("Archaeology of the Mid-Holocene Southeast", ed. Kenneth E. Sassamann/David G. Anderson, Gainesville 1996) und die im Gegensatz zu den Gruppen landeinwärts eindeutig zum Meer hin orientiert waren. Dem Mesolithikum ist ein eigener Artikel gewidmet.

 

 

 




 

Der jura-kreidezeitliche Boden ist einer starken Erosion ausgesetzt und verkarstet. Einige nicht erodierte "Zeugenberge" (lomos) erheben sich aus dem leicht gewellten Karstboden bis zu 300 Meter hoch. Hier ein Blick von dem  Motel -  La Roca - nur für Kubaner und deutschen Archäologen reserviert - mit verstreut herumliegenden Kalkfelsen in Richtung Meer, das am Horizont bläulich schimmernd mit dem Himmel verschmilzt.. Unterhalb des Lomo  liegen Freilandstationen.

 

 


 

Die Funde um Sagua sind identisch mit den schmalen Jura-Kreidestreifen, parallel zur Küste. Die 10-fachen Überschiebungen von Süd nach Nord sind atemberaubend. Der Kalkfelsen ist tiefgründig zermürbt. Aus dem brüchigen Kalk ist der Silex an der Oberfläche ausgewittert.
hellgrau - Pleistozän; weiß - Holozän; braun - Eozän/Oligozän; gelb - Miozän;  violett - Ophiolith; grün - Kreide und blau - Jura

 

 


 

Lorenzo, Nestor und der älteste von der Gruppe, Raul (Villavicencio) zeigen mir eine große Freilandstation, die sich bis zum Horizont ausdehnt und mit Hunderttausenden von Abschlägen übersät sein dürfte. Der verkarstete Boden trägt nur eine dünne Vegetationsdecke, so dass das Gestein frei greifbar ist. Die Wassermengen der häufigen tropischen Regen versickern im Boden oder bilden kleinere Tümpel.
Solche Fundkonzentrationen passen kaum mit  einer bewaldeten Landschaft zusammen. Ein Blick nach Florida zeigt, dass im späten Pleistozän vor 14 000 Jahren Sanddünen und Gebüschvegetation, im frühen Holozän vor 10 000 Jahren Eichenwald, Gebüsch mit Lichtungen existierten.

 

 


 

"Chopper-Kerne" liegen auf der Viehweide herum, aus denen in unspezialisierter Weise mit großer Wucht breite dicke Trennabschläge nach Art der "Seboruco-Kultur" gewonnen wurden, die uns an die Clactonean-Technik erinnern. Wegen der Kubanischen "Kleinlandschaft" im Vergleich zu den USA lassen sich die dortigen Mobilitätsmodelle der Frühmenschen wie die "Flint Run Lithic Determinism Model" von Gardner oder die "kryptokristalline Hypothese" von Goodyear nicht übertragen. (David G. Anderson Kenneth E. Sassaman: "The Paleoindian and Early Archaic Southeast, Hrsg, Tuscaloosa/London 1996, S. 21 ff).

 

 


 

Aber das Material besteht nicht nur aus dem stark weiß patinierenden verkieselten Kalk (silicious limestone). Daneben gibt es Artefakte mit glänzend bräunlicher Oberfläche. Was die Kubaner als Calcedonia (Chalzedon) bezeichnen, kommt unserem Feuerstein nahe, in Hohlräumen aus in Wasser gelöster Kieselsäure gebildet (Joachim Hahn 1993, S. 19). Es ist von homogener, "transparent-glasiger" Struktur. Nach Barbara Lüdtke ("An Archaeologist`s Guide to Chert and Flint", Los Angeles 1992) zählt dieser Silex zu den kryptokristallinen Silikaten. Von "Flint" oder "Chert" unterscheidet er sich darin, dass seine Kristalle eher in strahlenförmig ausgehenden fasrigen Bündeln als körnchenförmig wachsen. Der Chalzedon-Silex macht optisch einen "frischeren" vom Zahn der Zeit weniger angenagten Eindruck als die Oberfläche des verkieselten Kalks, die durch fleckige Frissuren oder Aufrauungen in der Patina angegriffen erscheint.

 

 


 

An einem etwa 5 Kilometer entfernten Acker im flachen Gelände kann ich unter der Führung von Raul in kurzer Zeit einige weitere Artefakte auflesen:
Rinden-Abschläge aus verkieselten Kalk, bläulich verfärbte Spitze  mit facettierter Basis, das einzige Werkzeug in meinem kleinen Sample, dessen Ränder ventral und dorsal fein retuschiert worden sind. 


 

 


 

La Mesa grande - der Große Tisch im CITMA-Institut von Sagua La Grande - überwältigend der Anblick und doch nur ein Ausschnitt aus einer Fundstelle, die gerade in Bearbeitung ist: eine Klingenindustrie mit reichhaltigem Inventar, das entfernt an den Seboruco-Komplex erinnert.

           

 

In der Expedition 2005 im Rahmen des Projektes "Auf der Suche nach dem ältesten Kubaner"    wurde das Gebiet vermessen. Ab Oktober 2006 sind größere Ausgrabungen vorgesehen.

 

 konische, unipolare - bipolare Kerne mit effektiven Klingen-Abbauprozessen wie sie für die Clovis-Kultur dokumentiert ist, tritt ebenfalls auf aber ohne deren kontrollierten Standardisierung, dazu große Chopper-Kerne mit dicken clactonartigen Abschlägen. Die Menge der Artefakte  ist schier überwältigend


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