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Geologie in Kuba - Geologie des Projektgebiets 2005 Mayari

 

  I. Einführung

Die geologische Genesis der Karibik ist kompliziert und ist bis heute noch nicht endgültig entschlüsselt: Im Jura und früher Kreide (vor 160 Mill. Jahren) brach der Urkontinent Pangea auseinander und es öffneten sich die Meere des Nordatlantiks, der größeren Antillen und des Golfes von Mexiko. (Ich beziehe mich auf die Ergebnisse der 15. Karibischen Geologischen Konferenz Jamaica 1998, abgedruckt in: "Caribbian Geology into the Third Millenium, ed. Trevor A. Jackson, Kingston 2002). Zu diesem Zeitpunkt befand sich Nordkuba (NCu) mit dem Barbados Terrain und Florida als südliche Teile des nordamerikanischen Kontinents ungefähr auf der Höhe von Dakar, Afrika, während der Südliche Teil von Kuba (SCu) auf der Höhe der Küste von Venezuela lag (Martin Meschede, Wolfgang Frisch, S. 4).

 

 

Ein Blick auf die heutige aktuelle Situation zeigt die Veränderungen seit 160 Millionen Jahren (G. Giunta, L. Beccaluva..S. 16). Nord- und Südamerika sind einige tausend Kilometer nach Westen gedriftet - und entfernen sich heute noch mit einer "Geschwindigkeit" von rund 3 cm jährlich von Europa. Die Karibik folgt mit 2 cm "Geschwindigkeit" nach und dabei hat sich eine eigene karibische Platte herausgebildet, im "Schraubstock" der Platten von Südamerika, der Cocos-Platte, die von dem Stillen Ozean nach Osten drückt sowie einem mehr "passiven" Nordamerika. Terrains südlichlich von Kuba haben an den Norden "angedockt". Entlang der Nordküste verläuft eine Überschiebungslinie ("main overthrust front"), während im Süden von Kuba im Eozän zwei Platten begannen, sich gegenläufig zu bewegen und der Cayman Bruchgraben oder Trog (strike-slip fault or Cayman Trough) entstand, der Kuba von Haiti getrennt hat. Aus der Abbildung ist zu entnehmen, dass dieser Trog als die westliche Verlängerung des aktiven Subduktionsbogens zu sehen ist, wo der Ozeanbodens des Atlantiks unter die karibische Platte taucht. Wegen der nach Westen gerichteten Drift der Südamerikanischen Platte kollidierte im Miozän der Panama Bogen mit den Westlichen Kordillieren in Kolumbien und verursachte deren bogenförmige Dehnung und Ausweichen nach Norden. Ohne auf weitere Einzelheiten einzugehen, wird klar, dass aus dem Chaos von widerstreitenden Kräften, die auf die Karibik insgesamt und auf Kuba speziell einwirkten und bis heute "zerren", eine höchst komplizierte geologische Struktur hervor gegangen ist.

 

 

 

 

Als Ergebnis der widerstreitenden geologischen Kräfte haben sich die verschiedensten geologischen Formationen als "Fleckerlteppich" auf kleinem Raum niedergeschlagen. Diese lassen sich in 4 Gruppen unterteilen: 1. kontinentale Einheiten, die aus Teilen der Bahamas-Plattform (Nordamerikas) und den aus dem Südwesten angedockten Terrains bestehen; 2. ozeanische Einheiten aus der ehemaligen basaltischen Ozeankruste aus dem "Ocean-Spreading-Prozess". Dieser gliedert sich in zwei Teile, in den im Frühtertiär entstandenen nördlichen Ophiolit-Gürtel und in eine komplizierte Mischung von metamorphosen Gesteinen mit kreidezeitlichen Vulkan-Terrains auf einer Amphibolit-Basis. Die Ophiolite präsentieren einen allochthonen Gürtel, der vom Süden über den Nordamerikanischen Kontinentalrand transportiert wurde und seinerseits wiederum vom kreidezeitlichen Terrane überfahren wurde. 3. neoauthochtone Fels-Ablagerungen aus dem Eozän und Quartär, die die Hälfte von Kuba einnehmen; 4. paläogene Vulkanbögen, die Produkte von bogenförmigen Subduktionszonen sind wie z.B. die Sierra Maestra (Jorge L. Cobiella-Reguera, S. 36). Die heute noch aktive Subduktionszone am Ostrand der Karibischen Platte bildet die Vulkanketten der Großen und Kleinen Antillen.

 

 

 

 

  II. Die geologische Situation Mayari

Der Mayarifluss hat auf seinen Weg von den Bergen zum Meer verschiedene geologische Perioden zu durchschneiden: Die obersten Zuflüsse berühren vielleicht noch die hellgrünen Maastricht-Schichten der jüngsten Kreide. Es folgen die braun gezeichneten Schichten vom Eozän zum Oligozän, die kalkige Sedimente darstellen können. Die geologisch merkwürdigsten Schichten sind die lila gezeichneten Basalte aus dem Sea-spreading-floor Prozess bei der Bildung des Atlantiks, die sog. Ophiolite (Gabros). In dem darauf folgenden schmalen braunen Streifen ist die Seboruco-Höhle eingebettet, also erneut kalkige Ablagerungen aus Eozän-Oligozän mit Übergangen zu den jüngeren - gelben Flächen - des Miozän bis Pliozän. Ab der Stadt Mayari folgen die weißen Flächen des oberen Pleostezän bis Holozän. In diese hat sich der Fluss mit Steilkanten eingeschnitten.

 

 

 

 

Die kalkigen Blöcke und Schichten um Seboruco stammen nicht aus der Zeit der Jura-Kreide, wie ich bei meinen früheren Besuchen annahm . Die markanten Schichten, die die Höhlenwände bilden, führen keine Fossilien, sie haben ihren Ursprung in Ablagerungen der Tiefsee des Eozän/Miozäns. Woher stammen dann die großen gelb-braunen Silexblöcke, die zahlreich um Seboruco und Mayari zu finden sind und als Rohmaterial den ersten Menschen dienten? Aus dem großen Gebiet der Ophiolite jedenfalls nicht. Von den rund 480 Artefakte, die in der Kampagne Februar 2005 auf einer Weide nahe der Seboruco-Höhle aufgesammelt worden sind, stammen nur 3 aus dem Gabro,  die übrigen aus dem harten Silex der Umgebung. Ein Transport von den Maastricht-Schichten ist zu weit, bleibt die Möglichkeit, dass der Silex Überbleibsel der silexführenden Eozän/Miozänschichten ist, die über den älteren Ophioliten vielleicht wegerodiert worden sind.

 

1. Bild:  typisch gelb-braun patinierter Silexrohling aus einem trockenen Arroyo aufgesammelt, 1km entfernt von der Seboruco-Höhle, natürliche Abstoßungen
2. Bild: Kantenbehauener Kern  etwas außerhalb des prospektierten Feldes, Rinde gelb-braun, Kanten weiß patiniert
3. Bild: Endprodukt Spitze gänzlich ohne Rinde

 

 

 

 

IIl Die jüngsten Formationen sind die Korallenbänke,

die an der Nord-Ostküste der Bahamas-Plattform aufsitzen. Morphologisch sind sie den wesentlich älteren Korallenriffen der Fränkischen Schweiz aus dem Jura ähnlich. (Nebenstehende Abbildung entnehmen wir dem  Buch "Medio siglo explorando a Cuba", S. 483). Durch Hebungsvorgänge von Cuba Oriente mit längeren oder kürzeren Pausen entstanden durch die Energie der Wellen Terrassen (bis zu 4 östlich von Baracoa, terrazas costeras) und Brandungskehlen (Abris - Nischen - nichos) mit Stalaktiten und Stalagmiten wie an der Terraza de Yara an der Nordostküste in der Provinz von Guantanamo. Die Terrassen bildeten den offenen Siedlungsboden für Paläoindianern als Jäger und Sammler in der paläolithischen Tradition und den Protoagrariern, während die oft kilometerlangen Abris den späteren Fischergruppen Schutz boten.

 

 

 

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