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Frankreich in Kuba um 1800: Weinflaschen - Flacons - Steingut

 

Es müssen nicht immer 20 000 Jahre alte Schlagplätze sein, manchmal genügen auch 200 Jahre alte aus einer fast vergessenen Epoche Kubas: als Fluchtinsel für französische Sklavenhalter vom benachbarten  Haiti .
Im kleinen Weiler Boma I östlich von Baracoa am Boma-Fluss führt mich ein alter Bekannter zur Steilkante der 2. Terrasse, die sich kilometerweit durchs Land zieht und schöne Abris bildet. Sein Vater hat ihm zu Ehren von Honecker den Vornamen Erich gegeben. Er hat wie viele Kubaner  in der  DDR gearbeitet und spricht ein brauchbares Deutsch.

 

 

 

Er will mir eine alte amerikanische Ausgrabung zeigen, doch es ist etwas anderes, was ins Auge sticht:

 

 

 

In einer Nische der kilometerlangen Felswand liegt ein Scherbenhaufen von Glas, Steingut, Keramik als hätten Bukanäer hier für eine Nacht durchgezecht. Vielleicht sind es auch Flaschenreste der amerikanischen Ausgräber, die unter dem Abri  einige hundert Meter entfernt gearbeitet haben, bis mir ein rundes Glassiegel auffällt,  als Bordeau, Marie...entziffert. .Die Glasoberfläche trägt eine schillernde Patina in Regenbogenfarben, wie  in Deutschland altes Glas aus der römischen Zeit oder dem Mittelalter trägt.

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Zu den Scherben von größeren Flaschen kommen ein paar kleine intakte Fläschchen, die den Fläschchen in den Regalen der  kubanischen Apotheken ähneln. Was sie aber von diesen unterscheidet: Sie sind von irregulärer Hand geblasener und nicht maschinengeformter Norm, dazu Steingut mit alten verwaschenen Stempeln.
Alter französischer Wein in Cuba?

 

 

 

Wir wechseln auf das andere Ufer des breiten Flusses .....zu dem armseligen Weiler Boma II. Dem Fährmann im Boot paddeln 3 treue Hunde hinter her. Die Dünung vom offenen Meer hat sich beruhigt, so dass die Hunde keine Mühe haben, ihre Schnauzen über das Wasser zu halten.
Auf den Feldern des Onkels von Erich, die mit Kokospalmen bedeckt sind, tragen wir nach kurzem Suchen weitere noch fast intakte alte Flaschen und Steingut sowie Krüge zusammen. Das Puzzle verbindet sich zu einem klaren Bild:

 

 

 

Drehen wir die Uhr in die Zeit der Französischen Revolution zurück. Auf Haiti nehmen die afrikanischen Sklaven die Parolen von Gleichheit und Gerechtigkeit wörtlich. In einem mörderischen und erfolgreichen Aufstand massakrieren sie Tausende ihrer Sklaventreiber. Nur einigen Hundert französischen Farmern gelingt es sich zur Ostküste Kubas zu retten. Der Scherbenhaufen unter dem Abri war wohl ein erster Rastplatz nach gelungener Flucht. Die auf den Kokosfeldern verstreuten Flaschen und Krüge zeugen von der Urbarmachung der Felder und ihre Bewirtschaftung durch die französischen Farmer.

 

 

 

Kehren wir zu dem Siegel zurück. Er ist neben den verwaschenen aber unspezifischen Stempeln auf dem Steingut, den alten Flaschen und den Flaconfläschchen der Beleg für die zeitliche Datierung.

 

 

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