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Taino-Indos in Kuba - Die Menschen, die Kolumbus antraf

 

Taino-Indianer - die Menschen, die Kolumbus antraf, die letzte Einwanderungswelle ab 1100 n. Chr. aus Süd- und Mittelamerika mindestens 8000 Jahre nachdem die ersten Menschen Kuba erreichten. Sie sind das Opfer des größten Holocaust nach den Untaten der Nazis - In nur 32 Jahren nach der Entdeckung Kubas waren eine halbe Million Indianer auf Kuba, eine weitere Million Tainos auf den übrigen Inseln der Karibik wie z.B. Puerto Rico ermordet worden, es gab keine Indianer mehr (E.T. Cuevas, O.L. Vega: Historia de Cuba 1492-1898, La Havana 2002, S. 26).

 

 


Catalog del Centro Ceremonial Indigena de Tibes, Ponce, Puerto Rico, 2002, S.11

 

Nördlich von Baracoa, zwischen den Flüssen Duaba und Toa finden sich an der Atlantik-Küste allein auf rund 3 Kilometern 3 Fundstellen. Wir nennen sie Duaba 1-3.
Seit 500 Jahren hat sich wenig an der Küste verändert. Im  Bild schauen wir auf die rezenten Dünen der mittleren Fundstelle zum Ozean (Duaba 2). Die Palmhütten haben früher nicht anders ausgesehen.

 

 



 

Allerdings haben die ökonomische Verwertungsbedingungen sich geändert. Heute wohnen Kokosbauern auf den alten Siedlungsplätzen der indianischen Fischer - vor sich den Ozean, hinter sich das Brackwasser der beiden Flüsse. Rechts im Bild der Blick landeinwärts in das aufgestaute Delta des Duaba, wo das Flusswasser versackt, dahinter der markante Berg aus Jura-Kalk, den Kolumbus (Schiff)-Amboss nannte . Die starken Wellen des Ozeans türmen Sand und Gerölle auf, die meistens die Flüsse vom direkten Kontakt zum Meer abschnüren. Manchmal kommt es aber zum Wasseraustausch, wenn im Winter wie 2003 Stürme aus der Arktis den Sandwall aufreißen.

 

 


 

 

Siedlung Duaba 1 Die Abschläge der neolithischen Tainos sind so ganz anders als die der paläolithischen Menschen, die wir in der oberen Leiste der Homepage darstellen. Das Material ist selten Silex, sondern überwiegend dunkelblaues oder -graues Vulkangestein und immer mit unverzierter einfacher dünnwandiger Keramik verbunden. Das Ausgangsmaterial für Kerne liegt als gerundete Gerölle aus Vulkangestein vor, die die Flüsse vom Landesinnere zur See verfrachten. Von den Geröllen werden ohne erkennbare Präparation Abschläge geschlagen. Die Produkte sind splittrig, mit scharfen Kanten. (Wir haben es hier ja mit einem sehr "jungen" Neolithikum zu tun, nicht älter als das späte Mittelalter in Europa).
 

 

Obere Reihe: 2 Rundschaber, zweiseitig bearbeitet
Mittlere Reihe: 1 einfacher Abschlag, 2 spitzenartige Geräte
Untere Reihe: 1 einfacher Abschlag, Ventral-Seite 3 stark verscherbelte Keramikstücke.

 

Siedlung Duaba 2 Typisch für die Tainos an der Küste sind die Netzbeschwerer, die in der oberen Reihe aus flachen Geröllen bestehen, deren Seiten Einkerbungen als Halterung der Netze aufweisen.
In der mittleren Reihe unterschiedlich hell gebrannte Scherben.
Ein Problem ist bei dem splittrigen Vulkangestein das häufige Fehlen der üblichen Abschlagmerkmale wie sie bei konsistenten Materialien (Silex) auftreten. (Schlagpunkt - point of percussion, Bulben - bulbs, Rippen - ripples, radiale Strahlen - radial fissures etc).
In der unteren Reihe rechts ist ein Abschlag ventralseitig dargestellt, der unten einen leicht gewölbten Rand zur natürlichen Oberfläche des Gerölls aufweist. Dies kann als Merkmal des "weichen" Schlages - soft hammer percussion - interpretiert werden.

 

 


 

Duaba 3
In Duaba 3 habe ich in einer frisch ausgeworfenen Grube, die zur Entsorgung von Kokosschalen dienen soll, aus einer ungestörten Schicht 10 cm unter der Oberfläche und tiefer weitere Funde gemacht. Die Scherben haben sich zwar in größeren Stücken erhalten, das schlichte Fundmateral weicht aber nicht von den anderen Funden ab.
Obere Reihe: die häufig auftretenden Netzbeschwerer
Mittlere Reihe: etwas größere Keramikscherben
Untere Reihe: 1 flacher Kern, der beidseitig Negative von Abschlägen aufweist. Rechts ein hier seltener Kiesel aus Kieselsäure. Von verschiedenen Seiten sind Abschläge getätigt worden. Das 1-Euro-Stück dient zum Größenvergleich.


 

 

Vor dem Hintergrund von Duaba 1 zeigt ein heutiger Fischer stolz seine gerade gespeerte Schildkröte, die er aus dem Brackwasser des Flusses Duaba geholt hat. Die moderne Fangtechnik gibt der Schildkröte kaum eine Chance. Im armen Kuba kann sich der Fischer seine teure Ausrüstung leisten, weil er seinen Fang für gutes Geld an die casas particulares, an die Privatquartiere verkaufen kann, obwohl es die Regierung verbietet. An das Verbot müssen sich die 3 Hotels in Baracoa halten.

 

 


 

 

Die Indios verwendeten aber auch größere Geräte. Hier ein Schaber mit flacher Ventralseite und präparierter Basis, den Dr. Jahn Weinig im März 2004 fand.

 


 

 

Die Tainos, Opfer eines der größten Verbrechen der Menschheit, haben keine Hochkultur hinterlassen, wie die Azteken oder Inkas. Zur Bearbeitung des wenigen Goldes, das sie aus den Flüssen wuschen, haben sie nicht die Gusstechnik gekannt. Was sie außer Spuren ihrer Palmhütten hinterließen waren bescheidene Zeremonienplätze, die heute von dem jungen Archäologen Daniel Torres Etayo aus Havanna im äußersten Osten der Insel (Maisi) untersucht werden.
Die beiden kleinen Gesichtsmasken - aus Nuggets gehämmert - geben einen Eindruck von der Kunst der Tainos. Der unten abgebildete Handgriff eines geschliffenen Stößels kündigt von Landwirtschaft. Es ist ein Einzelfund unter einem großen Höhlendach von Boma II, östlich von Baracoa.
 

 

Was besagen diese bescheidenen Funde? Die 3 Funde belegen eine dichte Besiedlung vor 500 Jahren und sind ein Indiz, dass die Mordziffern im karibischen Holocaust  nicht zu hoch gegriffen ist. Nach dem Völkermord durch die Familie von Kolumbus und ihrer Schergen brach die Bevölkerungsstruktur für mehr als 200 Jahre von rund 500 000 auf knapp 100 000 zusammen, wovon mehr als die Hälfte auf die Hauptstadt Havanna entfiel. Die ökonomische Basis verfiel mangels Menschen, der Dschungel überwucherte die Felder und Gärten der Tainos. Mit der vorübergehenden Eroberung Havannas durch die Engländer und die Einführung der Plantagenwirtschaft mit Arbeitssklaven aus Afrika um 1750 beim 7-jährigen Krieg erhöhte sich die Bevölkerungszahl langsam. Aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Hereinströmen der Immigranten von den Kanarischen Inseln, aus Italien und der Verschleppung chinesischen Kulis erlangte Kuba wieder die Bevölkerungszahl, die es schon zur Taino-Zeit besaß.

 

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