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Große Freilandstation des Acheuleen-Mittelpaläolithikum in Bayern August 2005 Vorbericht

 

Im Rahmen des Projekts Frühe Menschen am Riesrand gelang es nach jahrelangen Feldbegehungen im April 2005 einen reichhaltigen Fundplatz aufzuspüren, dessen Alter in ein Frühes Mittelpaläolithikum/Acheuleen gesetzt werden könnte. Bisher sind über 70 Bulbusabschläge aufgesammelt worden. Mit den  Zweiseitern und Geröllgeräten liegen über 100 Artefakte vor.  Seit dem Fund  des altpaläolithischen Faustkeils vom nahen  Mündling 1962 konnte  mit solchen Funden gerechnet werden. Allgemein anerkannte altpaläolithische Funde  liegen in Bayern bisher nur als Faustkeile in Einzelfunden vor. Allerdings haben wir  mit der "Mittelpaläolithischen Geröllgeräteindustrie aus der Umgebung von Kronach in Oberfranken" (L.F: Zotz und G. Freund, Kallmünz 1973) ein reichhaltiges altpaläolithisches Inventar,  was im vorsichtigen Teil des Wissenschaftsbereich noch umstritten ist. Im Museum Donauwörth kann der Faustkeil besichtigt werden, der die gleiche tiefrot-braune Patina wie die neuen Funde aufweist.

 

 

Der paläolithische Freilandplatz, liegt am Rande einer Flussniederung auf einer Schuttzunge, die geologisch als allochthone Insel des Malm-Delta bis Zeta (mittlere Kimmeridge-Schichten) ausgewiesen ist. In dem Ausschnitt der geologischen Karte des Gebietes sind diese als bläuliche kleine runde Kreise in der rötlich-braunen Bunten Brekzie der Auswurfmasse des nahen Rieskraters zu orten. Mit dieser geologischen Schicht ist das ausgewitterte rot-braune Rohmaterial für Werkzeuge verbunden. Vielleicht lag früher ein äolischer Lehmüberzug aus der letzten Eiszeit über der Station und bewahrte diese vor der Zerstörung.

 

 

 

 

In der bräunlichen bis zu 5 Meter hohen lehmigen und steinigen Zunge, die sich zur Talniederung erstreckt, sind viele ausgewitterte Hornstein-Nodule eingebettet, die als Rohstoffmaterial für die Artefakte dienten. Das Aktivitätszentrum befindet sich in der Nähe der Niederung, während das weitere Umfeld als Versorgungsgebiet für die Artefakte diente. Durch Erosion sind die Funde bis in die Niederung hinein verfrachtet worden. Vorbehaltlich präziserer Altersbestimmungen der Artefakte, kann die Lehmzunge als endriss- früh-würmzeitlich eingeordnet werden.

 

 

Die Spitze ist nach der Schlagrichtung ausgerichtet. Tiefbraun patiniert (Kanten zeigen neuere Abstoßungen), Clactonien-Schlagtechnik ähnlich dem Acheuleen um Luxor, Ägypten, verschliffene Oberfläche, ein Teil des Kortex - wo der Handgriff sein könnte - ist stehen geblieben. Schräge Schlagrichtung, die gerade Kante und Kortex stehen so zueinander, dass das Artefakt gut in der Hand liegt. Dies spricht dafür, dass es sich weniger um Abfall handelt als um einen Gradkantschaber. Gewissheit kann aber nur mehr Fundmaterial liefern.

 

 

 

 

Der Klingenabschlag ist wie die Spitze 9.5 cm lang. Wie sie trägt er rechts Rinde, aber besitzt eine ausgeprägte Retusche, die an der alt-patinierten Kante steil retuschiert ist, so dass es sich wohl um einen Schaber handelt. Auch hier ist der Bulbus das Resultat eines kräftigen Schlages, die Ventralseite ist stark vernarbt.

 

 

 

 

 

Die rindenfreie flache Klinge misst 8 cm Länge. Ventralseitig ein kräftiger Clactonien-Schlag , von einer einfachen Plattform mit ausgeprägten Bulbus, vernarbte Oberfläche. Die Dorsalseite ist durch einen leicht gekrümmten Mittelgrat geteilt. Proto-Levallois-Technologie. Die wahrscheinliche Arbeitskante links ist alt ausgebrochen

 

 

 

 

Ein weiterer rindenfreier Abschlag trägt ebenfalls einen flachen Querschnitt sowie den bekannten harten Schlag. Deutlicher noch als das obige Stück ist die Dorsalfläche auf dem ehemaligen Kern von allen Seite präpariert worden, bevor der finale Trennschlag erfolgte (Proto-Levallois-Technologie).

 

 

 

 

Ein klobiger, kantiger 11 x 11 x 6 cm zerbrochener kubischer Kern mit 8 erhaltenen flächigen Retuschen auf einer Seite wurde wahrscheinlich nach der Proto-Levallois-Technologie für einen Abschlag präpariert. Die archaische Schlagtechnik könnte auch auf ein mittleres Acheuleen hinweisen.(Swanscombe). Damit stimmten auch die hier nicht publizierten "Chopper"-Kerne überein.

 

 

 

2 weitere große Artefakte über 10 cm Länge. Es handelt sich um Kerne, wobei oben links eine Seite sorgfältig retuschiert worden ist für einen Abschlag nach dem Typus Proto-Levallois. Auf dem Gelände finden sich viele sehr große schwere Silex-Platten, die nur wenige "Probe"-Abschläge aufweisen.

 

 

 

Die zweiseitig zugeschlagenen Schaber weisen z.T. gegenläufig bearbeitete Arbeitskanten auf. Die Präparierung der beiden Seiten ist unterschiedlich. Besonders sorgfältig ist das erste Artefakt untere Reihe beidseitig zugeschlagen.

 

 

 

Sind bisher Artefakte präsentiert worden, die ins Acheuleen passen könnten, treten auch Formen auf, die jünger - nämlich mittelpaläolithisch sein könnten. Dazu zählt ein Kern des entwickelten Levallois-Typus . Der Rücken ist rindenbelassen, ventralseitig ist das gerundete Negativ eines Abschlags erkennbar.

 

 

 

Ein würfelförmiger bipolarer Klingenkern spricht eher für eine jüngere Zeit als das Acheuleen, auch wenn im Acheuleen Englands Klingenkerne auftreten

.

 

 

 

Eine schmale, dünne "klasssische" Levallois-Spitze spricht ebenfalls eher für eine jüngere Zeitstellung.
Es müssen also weitere Funde gemacht werden, ob ein Acheuleen vorliegt, oder ein Mittelpaläolithikum oder ob zwei Zeitepochen miteinander vermischt vorliegen - mit Schwerpunkt auf Acheuleen.

 

 

 

In der Nähe sind inzwischen 4 weitere kleinere Verdichtungen der gleichen Industrie gefunden worden. Wir stehen erst am Beginn unserer Analysen. Weitere Funde sind zu erwarten, die uns einer Klärung naher führen.

 

 

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