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Topper-Site Wer ist der älteste Mensch in den USA?

 

Mein Weg führt mich im Juni 2002 ins South Carolina Institute of Archaeology der Hauptstadt Columbia. Mich interessieren nicht die schönen Clovis-Spitzen, sondern das älteste Fundmaterial der USA, das unter den Clovis-Schichten der Ausgrabung Topper-Site liegen soll.

 

 

 

Der Ausgräber, Albert. C. Goodyear zeigt mir gerne seine neuesten Exponate aus der Grabungskampagne vom 29.April - 1. Juni 2002. In der Hand hält er einen größeren - in mehreren Schichten gespaltenen - natürlichen Silexbrocken (chert). Die dicke weiße Patina, die sich um den Kern des Silex gelegt hat - und die auch den Artefakten zu eigen ist - ist ein erstes Indiz für das Alter.

 

 

 

Wir gehen in sein Magazin. Hätte ich eindeutige kleine Klingen oder Schaber erwartet, sähe ich mich enttäuscht. Die Silexstücke, die er mir vorlegt und die noch nicht publiziert worden  sind, sind von einer außerordendlich primitiven Schlagtechnik, die ich in dieser Form noch nie gesehen habe und die es - einzeln betrachtet, losgelöst von ihrem Fundkontext - zweifelhaft machen, ob es sich überhaupt um menschliche Abschläge handelt.

 

 

 

Nicht dass es an Bulben fehlt - das muss nicht unbedingt ein entscheidendes Erkennungsmerkmal für Artefakte sein - was befremdet, ist der Tatbestand, dass die prägnanten Stücke - kleine "Stichel" - aus zugeschlagenen Silexplatten zu kleinen Würfeln mit den Händen durch den Altmenschen gebrochen worden sind - Goodyear spricht von "bend-break tools". Das Artifizielle sieht er darin, dass die Bruchkanten oft rechtwinklig verlaufen, was vorzügliche meißel-ähnliche Arbeitsspitzen erzeugt. Ein Vergleich mit der Herstellung der Mosaiken von Ravennas Kirchen aus der Zeit des Ostgotenreiches drängt sich mir auf.
Quelle: Legacy, South Carolina Institute of Archaeology and Anthropology, VOL.6, NO 2

 

 

 

Das Außergewöhnliche der primitiven Technik schlägt sich besonders bei der Behandlung der Kerne nieder. Goodyear erzählt mir, dass die Steinschläger die  natürlichen Silexbrocken aus dem benachbarten Flusshang ("chert outcrops") beidhändig auf einen hölzernen oder Steinamboss gestoßen haben, um aus der Masse der - mehr oder minder zufällig entstandenen - Splitter und der zerbrochenen Brocken  geeignete Zwischenprodukte zur weiteren Verarbeitung aus zu lesen.
Keine Gehirngespinste. Das ergaben die praktischen Versuche der professionellen "flintknapper", die Goodyear zur Fundstelle kommen ließ, und die an Ort und Stelle den Stein bearbeiteten, bis sie  ähnliche Resultate wie die vorliegenden Funde erzielten. Die spontane Verbindung von Theorie und Praxis - eine typische amerikanische Herangehensweise an wissenschaftliche Fragestellungen.

 

 

 

Einige Stücke kommen den uns in Europa (und USA) bekannten Formen näher. Kratzer und Mikroklingen, Schaber und Klingen ohne Bulben sind abgebildet. Aber auch sie erfüllen bei einer strengen Beurteilung nicht die Kriterien von Artefakten - mit einer Ausnahme: Ich hatte einen Abschlag in der Hand - einen beidseitig bearbeiteten schmalen breiten Klingenschaber - den man ins Gravettien meines Fundkomplexes Möckenlohe (Donau Kurier) stellen könnte.

Quelle: Allendale 2002, Unterlagenheft für die Allendale Paleoindian Expedition April 29-June 1

 

 

 

Der renommierte Archäologe Stanford bringt auch ein Alter von 28 000 - 50 000 v. Chr. ins Gespräch.

Mögen die vorgelegten Silices die europäischen Kriterien für Artefakte nicht erfüllen, am "pre-Clovis"- Alter der Stratigraphie der untersten Topper-Site-Schicht, in der der Silex liegt, kann es keinen Zweifel geben. Sie liegt unterhalb der Clovis-Funde auf einer Terrasse des Savannah-Rivers, älter als 15 000 Jahre vor heute im letzten Eiszeit-Maximum. Radiokarbon-Proben und Luminiszenz-Datierungen reichen bis zu 20 000 Jahre vor heute.

 

 

 

Falls sich das Artifizielle der Silices erweisen ließe, würde die untere Schicht der Topper-Site  sich einreihen in die beiden weiteren ältesten Funde Medowcrow und Cactus Hill, die in den letzten Jahren in den USA gemacht wurden. Goodyear weist mich darauf hin, dass die ältesten Funde nur an der Ostküste der USA liegen, im Gegensatz zu den Clovis-Funden, was kein Zufall zu sein braucht. Es gibt keine Tradition zwischen der "primitiven" Schlagtechnik der untersten Schicht und der entwickelten bifacialen Clovis-Kultur darüber, die Stanford als Resultat einer Einwanderung von Trägern der Solutréen-Kultur aus Spanien und Frankreich über den Atlantischen Ozean entlang des damaligen hochglazialen Eisrandes interpretiert. Goodyear spricht von mehreren voneinander unabhängigen Einwanderungswellen. Es sei auch möglich, dass seine Primitiv-Kultur, die noch keinen Namen trägt, aus Südamerika kommt.

 

 

Es braucht weitere Ausgrabungen, Analysen und spezielle Untersuchungen, um klare Definitionsmerkmale (Entscheidungskriterien) zu erhalten, was die Spreu (Naturschrott) vom Weizen (Artefakte) trennt.

Für mich weitaus überzeugender sind die Funde von H.Blaine Ensor, die auszugsweise im englischen Text dieser Homepage publiziert worden sind

 

 

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